Chan Mi Gong Übungssystem

 


Die drei Ebenen des Chan Mi Gong

Die Basisübung

Die fünf Besonderheiten des Chan Mi Gong

Übersicht über Chan Mi Gong-Übungen

 
Seminar mit Liu Han Wen
 
     
  Die drei Ebenen des Chan Mi Gong  
 

Die Chan Mi Gong Übungen beeinhalten die drei Ebenen Jing, Qi und Shen.
Jing steht für die Materie, Qi für die Energie und den Weg, der zur Entfaltung von Shen führen kann.
"Erst muss sich das Jing entwickeln, damit sich Qi vermehren kann, um Shen entstehen zu lassen" (Ursula v. Wilcke).

 
 
Jing

die körperliche Ebene zur Gesundung; die Arbeit am Körper, das Öffnen der Leitbahnen, das Aktivieren von körpereigenem Qi

Qi

die energetische Ebene; die Anreicherung von Qi, die Ausformung der ausserordentlichen Leitbahnen und besonderer Energiekanäle, Entwicklung von Fähigkeiten, z.B. um Qi zum eigenen und zum Nutzen anderer anzuwenden

Shen

die geistige Ebene; Erweitern von besonderen Fähigkeiten, Erkennen von tieferen Zusammenhängen und das Erkennen des Wesens der Buddhanatur

 
 

Welche der drei Ebenen man anstrebt, kann nur jeder Übende für sich selbst entscheiden. Oft fördern aber die Erfolge beim Üben von ganz alleine ein Weiterschreiten. Man muß jedoch kein Buddhist sein, um Chan Mi Gong zu praktizieren!

 
     
  Die Basisübung  
 

Die sanfte Wirbelsäulenbewegung, durch die das Qi angeregt und im ganzen Körper zum Fliessen gebracht wird, ist die Basisübung des Chan Mi Gong. Sie ist die Grundlage aller weiterführenden Übungen, die zur Stärkung und zum Ausgleich von Qi geübt werden. Auch die zum Teil komplexe Übungsfolgen zur Qi-Aufnahme und Qi-Abgabe, oder die Praktiken zur Diagnose und Behandlung bauen auf der Basisübung auf.
Auch als eigenständige Übung ist die Basisübung eine Bereicherung für jede andere Qi Gong Form, da die differenzierten Wirbelsäulenbewegungen zu einer äußerst feinen Durchlässigkeit in allen Wirbeln und Gelenken führen. Therapeutisch lässt sich die Basisübung vor allem auch bei Wirbelsäulenerkrankungen und Bewegungseinschränkungen aller Art erfolgreich einsetzen.

Die Basisübung besteht aus drei Grundbewegungen der Wirbelsäule (Yong Dong, Bai Dong und Niu Dong) um jeweils eine der drei Körperachsen (vertikal, sagital und horizontal) und Ru Dong, einer sich in alle Richtungen ausdehnenden Bewegung.

 
 
 

Yong Dong
Wellen nach vorne und zurück

 
 

 

 
 

Bei den ersten drei Wirbelsäulenbewegungen "Yong Dong", das Wellen nach vorne und zurück, "Bai Dong", das seitliche Pendeln und "Niu Dong", das spiralförmige Drehen, wird das Qi in der Wirbelsäule mit äußerst sanft ausgeführten Bewegungen angeregt und mit der Vorstellungskraft vom Steißbein beginnend bis zum letzten Halswirbel und von dort wieder zum Steißbein zurück geführt. Während die Steißbeinbewegung die gesamte Wirbelsäule in Bewegung bringt, führt man die Aufmerksamkeit von einem Wirbel zum nächsten. Ziel ist es, nach und nach jeden einzelnen Wirbel wahrzunehmen und bewusst zu bewegen.

 
 
  Bai Dong
Seitliches Pendeln
 
     
 
  Niu Dong
Spiralförmiges Drehen
 
     
 

Die Innere Bewegung
In der Vorstellung zieht man Qi wie eine Lichtsäule über alle Wirbel nach oben bis zum letzten Halswirbel und wieder nach unten zum Steißbein zurück. Erst die ungeteilte Aufmerksamkeit macht es möglich den Qi-Fluß bewusst zu lenken. Um den Qi-Fluß nicht zu unterbrechen werden die Bewegungen der Wirbelsäule mit der Vorstellung* weitergeführt, auch wenn in einigen Wirbeln noch keine Bewegung möglich ist. Der vielzitierte Satz, "wo Yi, da Qi" sagt aus, dass Qi dahin geht, wohin man die Aufmerksamkeit richtet. Man könnte "Yi" auch gleichsetzen mit dem inneren Blick, oder der Absicht sich das bevorstehende Tun vor Augen zu führen und damit die Fähigkeit sich etwas vorzustellen. Man stellt sich vor, wie Qi sich im Wirbelsäulenkanal ausbreitet und jeden Wirbel durchflutet. * (vgl "Mit Qi Gong die Lebensenergie stärken" aus dem Kapitel von Eva Rehle "das Üben mit der Vorstellungskraft")

"Ru Dong" ist die vierte Basis-Bewegung, in der die ersten drei Bewegungen ineinander fließen und sich zu einer immer wieder neu entstehenden freien Bewegung entwickeln. Mit Ru Dong wird das Qi im ganzen Körper verteilt. Je natürlicher und freier die Bewegung wird, umso leichter kann Qi alle Körperräume durchdringen.

 
     
 

Die besondere Art des Stehens
Für die gewünschte Wirkung und dem Gelingen der Chan Mi Übungen ist die besondere Art des Stehens eine wichtige Voraussetzung. Es unterscheidet sich in manchen Punkten von anderen Qi Gong Methoden. Die Fersen stehen schulterbreit und die Zehenspitzen weisen leicht nach außen. Die Knie bleiben locker gestreckt und das Gewicht wird zu siebzig Prozent auf die Fersen verlagert. Als nächstes werden drei Punkte in einer geraden Linie übereinander gebracht, der Scheitelpunkt (Ba Hui), der Mittelpunkt am Damm (Hui Yin) und der Punkt, der in einem Lot genau unter dem Damm zwischen den Fersen liegt.

Das Stehen im Chan Mi Gong ist ein energetisches Austarieren dieser drei Punkte. Dabei soll das Qi der Erde in einer geraden Linie durch die Fersen aufwärts strömen und das Qi des Himmels durch den Scheitel ungehindert nach unten fließen. Bei dieser Art des Stehens geht es darum, mit so geringem Muskeleinsatz wie nur irgend möglich, aufgerichtet zu sein. Jedes Gelenk soll dabei so locker und entspannt sein, als würde es sich schon durch den geringsten Impuls bewegen lassen. Dieses entspannte Stehen meint kein "Hängen in den Seilen", sondern führt zu einer Öffnung in den Gelenken, die mit einer konkreten Aufrichtung einhergeht.

 

Entspanntes Stehen
 
     
 

Wirkung und Ziel der Basisübung
Die sanften Wirbelsäulenbewegungen regen die Funktion der inneren Organe an und stimulieren das Nervensystem. Die Bewegung am Steißbein regt den Qi-Fluß an und wirkt beruhigend und erdend. Die umliegenden Akupunkturpunkte des Steißbeins "Changqiang" (Du 1) und Yaoqi (PaM 14), die mit dem Wurzelchakra (Damm) verbunden sind, stärken den eigenen Stand, bauen Verspannungen in der Wirbelsäule ab, und beruhigen das Zentrale Nervensystem.

Das Qi, das durch diese Bewegungen zum Fliessen gebracht wird, vermag auch alte bzw. chronische Blockaden in Bewegung zu bringen, die sich durch kontinuierliches und sanftes Üben nach und nach auflösen lassen. Dieses sanfte Auflösen schafft ungeahnte körperliche und geistige Bewegungsfreiheiten!

Die freiere Beweglichkeit und das selbstbestimmte weiche Auflösen von Verspannungen durch die Basisübung ist neben dieser im wahrsten Sinn befreienden Wirkung der erste Schritt zu weiteren Stufen im Chan Mi Gong.

Die Basisübung ermöglicht es so durchlässig zu werden, dass die Bewegung, die mit der Vorstellungskraft weiter geführt wird, den ganzen Körper in eine feine Schwingung versetzen kann, die sich über die Körpergrenze hinaus ausdehnt. In den weiterführenden Übungen lernt man mit der Methode des Ausdehnens das Qi des Kosmos aufzunehmen. Diese Erfahrung kann zu Kraftquellen führen, die neue Dimensionen eröffnen.

 
     
  Die fünf Besonderheiten des Chan Mi Gong
 
 

Die erste Besonderheit: Bewegung der Wirbelsäule
Die Grundlage der Basisübung des Chan Mi Gong ist eine vielfältige Bewegung der Wirbelsäule. Das ist einmalig unter den chinesischen Qigong-Arten. Auf dieser Bewegung baut sich eine Vielzahl erprobter und bewährter Übungen auf, die ineinandergreifen, einem bestimmten Aufbau folgen und relativ leicht erlernbar sind.
Die Chan Mi Gong Übungen beginnen in einem Zustand tiefer, vorher vermittelter Entspannung, mit einer sanften, wellenartigen Bewegung der Wirbelsäule.
Da die einzelnen Wirbel der Wirbelsäule mit jeder Stelle des Körpers verbunden sind, wird über diese Bewegung das Qi, auch in den entferntesten Stellen des Körpers, geweckt und aufgewirbelt. Mit dem sogenannten inneren Blick wird das Qi geführt.
Verspannungen und Energieblockaden im Körper werden über diese sanfte Bewegung der Wirbelsäule von innen nach außen gelöst und Wirbelsäulenbeschwerden reguliert.
Eine heilsame Wirkung auf den gesamten Bewegungsapparat wird spürbar.

 
 

Die zweite Besonderheit: Entspannung von Mi Chu
Die Entspannung des Damm- und Schambereichs, Mi Chu, ist einmalig in den Qigong-Schulen unterschiedlicher Richtungen.
Zu den Methoden der daoistischen Schulen gehört es, die sogenannte Unsterblichkeitspille im unteren Dantian zu erzeugen, im Ofen zu brennen. Das Qi oder Zinnober im unteren Dantian so zu kultivieren, daß es immer feinstofflicher wird, also alle materiellen Anteile auszufällen, um so zu einer Energie Zugang zu haben, die man mit Gong erreicht. Um diese Pille zu erzeugen, muß man einen guten Ofen haben. Der Damm bildet den Boden des Ofens. Die betreffenden Methoden legen großen Wert auf den Boden des Ofens. Damit diese "Pille", das Erzeugnis, nicht verlorengeht, wird bei den Übungen der After hochgezogen. Das ist eine in sich geschlossene, sehr wirkungsvolle Methode.

Im Unterschied dazu lehrt Chan Mi Gong vor allem Entspannen und Loslassen, so daß sich das innere Qi direkt mit dem äußeren Qi verbinden kann. Diese Methode hat einen anderen Ansatz.
Die Entspannung des Dammes hilft der Entspannung der Lenden. Ein leichtes Lustgefühl kann hervorgerufen werden und Freude durchströmt den ganzen Körper. Die Entspannung des Dammes glättet die Stirn und begünstigt das Öffnen des Dritten Auges. Durch die Übungen wird die sexuelle Potenz und Vitalität gestärkt.

 
 

Die dritte Besonderheit: Das Qi ist im Menschen Der Mensch ist im Qi
Zuerst wird das Qi im Körper angeregt und mit der Bewegung der Wirbelsäule in den Raum ausgedehnt. Das bedeutet, unser körpereigenenes Qi verbindet sich mit dem Qi des Kosmos. Auf diese Art stoßen wir verbrauchtes, krankes Qi aus und nehmen reines Qi auf. Wir verfeinstofflichen unser körpereigenes Qi. Beim Zurückholen während des Einsammelns und Aufnehmens durchdringt das reine und höher schwingende Qi die äußeren feinstofflichen Hüllen, die die Gedanken und Gefühle tragen und gleicht dabei Turbulenzen aus.
Es sind nicht nur die eigenen Gefühle und Gedanken, die Turbulenzen in unseren feinstofflichen Hüllen erzeugen. Auch die Turbulenzen in der Atmosphäre durch die lärmerfüllte, verschmutzte Umwelt, übertragen sich auf unser Energiefeld und damit auf die Zellen. Die Integrität der Zellen wird gestört, im Extremfall bricht das Immunsystem zusammen. Durch die Chan Mi Gong- Übungen aber wird eine Stärkung des Immunsystems und eine Steigerung der Wahrnehmungsfähigkeit erreicht.

 
 

Die vierte Besonderheit: Über die Bewegung zur Ruhe kommen
Für Anfänger ist die Konzentration auf einen bestimmten Punkt des Körpers außerordentlich schwierig. Auch für Geübte ist dies im allgemeinen nicht leicht. Beim Praktizieren von Chan Mi Gong wird während der ganzen Übung die Wirbelsäule bewegt. Die Konzentration ist jedoch nicht auf eine Stelle fixiert, vielmehr folgt die Vorstellung, der innere Blick, dieser Bewegung. Unser Organismus ist in Bewegung, solange wir leben. Es gibt keine absolute Ruhe. Durch die zarte, sanfte, weiche Bewegung der Wirbelsäule entspannt sich der ganze Körper. Die Gedanken konzentrieren sich auf die Bewegung und den Ablauf der Übung, sie sind dadurch gebunden und wandern nicht umher. So kommen über die Bewegung die Gedanken zur Ruhe, und Bewegung und Ruhe ergänzen einander.

 
 

Die fünfte Besonderheit: Die Verbindung dreier Geheimnisse
Die drei Geheimnisse sind:
Das Geheimnis des Mundes, das Mantra
Das Geheimnis des Körpers, besondere Hand- und Körperhaltungen
Das Geheimnis der die Übung begleitenden Gedanken
Die Chinesen nennen dies Guan Xiang, welches bedeutet, daß alle Sinne gleichzeitig auf Mehreres konzentriert sind. Das ist mehr als nur Vorstellung, es hat eine andere Intensität, Qualität, Tiefe und Breite.

 
     
  Übersicht über Chan Mi Gong-Übungen  
 

im Folgenden eine Übersicht der wichtigsten der ca. 30 Chan Mi Gong Übungen, die von Liu Han verfasst und unterrichtet wurden. Ein Großteil der Übungen wurden von Ursula Stummvoll vom Chinesischen ins Deutsche übersetzt und sind als Übungsschriften direkt über U.Stummvoll zu beziehen.

 
 
ZHU JI GONG

die Basisübung, die vier Wirbelsäulenbewegungen zum Wecken des eigenen Qi

YIN YANG HE QI FA

Übungen um Yin und Yang (aktives und passives Qi) im Körper auszugleichen

HUI GONG

Übungen sich mit dem kosmischen Qi zu verbinden

XUE YA GAO

Übungen zur Senkung des Blutdrucks

JIA ZHENG SHI LI FA

Übungen zur Stärkung der Sehschärfe

TU NA QI FA

Übungen, um Qi aus der Umgebung aufzunehmen und abzugeben

SHUAN YUN GONG


"die doppelte Wolkenübung" (spontanes Qigong), um die Leitbahnen und Funktionskreise zu öffnen und zu reinigen

REN BU


Übung, um den Mittelkanal zu entwickeln und die fünf Herzen (Aus und Eintrittspunkte des Qi) zu öffen

MING XIN FA

"Das Herz im Herz"

Qi ZHONG QI

das Qi im Qi

MIEN QI FA

die Schlafübung

ZHI ZHI FA

die Nabelübung

SAN MI

die drei Geheimnisse

Gehübungen
des Chan Mi Gong

Krebsprävention und Behandlung